BUDAPEST/ROM, 5. November 2009 (ZENIT.org).- Für Unter den Teilnehmern der Bischofssynode von Afrika, die vor einer guten Woche unter dem Vorsitz von Papst Benedikt XVI. feierlich zu Ende ging, war auch Kardinal Péter Erdő, der als Vorsitzender des Rates der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) an der Synode teilgenommen hatte. Im ersten Teil des Gesprächs mit ZENIT, das gestern erschien, zieht der Erzbischof von Esztergom-Budapest Bilanz.
Es sei eine einzigartige Gelegenheit gewesen, einen tieferen Einblick in die Situation der Kirche in Afrika zu bekommen und viel von diesem Kontinent zu lernen, betonte der Kardinal gegenüber ZENIT.
"In welchen Bereichen kann es aus der Sicht der CCEE zu einer Kooperation zwischen den beiden Kontinenten kommen?--Kardinal Erdő: Es gibt seit vielen Jahren eine institutionelle Zusammenarbeit mit dem SECAM (Symposium der Bischofskonferenzen von Afrika und Madagaskar). Wir haben einen gemischten Ausschuss der die Zusammenarbeit organisiert. Höhepunkte sind die Konferenzen, die fast jedes Jahr stattfinden. Seit kurzem finden die Treffen in verschiedenen Orten abwechselnd in Afrika und in Europa statt. Zum Beispiel haben wir Fragen der Sklaverei, der Emigration behandelt - die offensichtlich ein weit verbreitetes Problem darstellen -, sowie das Thema der Priester von Fidei Donum, die zur pastoralen Arbeit vor Ort von einer Diözese zur anderen gesandt werden.
Viele afrikanische Priester leben in Europa, aber nicht jeder hat einen Vertrag oder eine geregelte Situation zwischen den beiden Diözesen, die zum Einen die Eingliederung und Integration des Priesters in das Leben der Diözese vor Ort gewährleistet, und zum anderen für die rechtliche Sicherheit, Gesundheit, etc. sorgt. Es ist sicherlich richtig, dass viele Priester aus politischen Gründen aus ihrem Heimatland geflohen sind, viele kamen jedoch auch zum studieren oder für eine medizinische Versorgung nach Europa, so dass die Bischöfe die Situation aller dieser Priester berücksichtigen und sie begleiten müssen.
Wichtig ist ebenfalls, dass zum Beispiel Novizen, oder die sich auf einen Ordensberuf vorbereiten, ihr Land nicht zu früh verlassen, vor dem Abschluss ihrer Ausbildung, da viele in einem anderen kulturellen Umfeld während der Ausbildung entweder ihre Berufung verlieren oder feststellen, dass die gar keine Berufung hatten, oder in Bezug auf den Orden, dass sie sich nicht an seinen Lebensstil anpassen können. Werden sie von dem religiösen Institut entlassen, befinden sie sich in einer Gesellschaft, die sehr kühl mit ihnen umgeht und sie nicht aufnimmt, gleichzeitig wagen sie es aber nicht nach Hause zurückzukehren. Solche Situationen sollten vermieden werden. Unsere afrikanischen Brüder haben daher vorgeschlagen, dass der erste Teil der Ausbildung unbedingt in Afrika stattfinden sollte.
Des Weiteren gibt es eine Zusammenarbeit in den Bereichen von Wissenschaft, Theologie und Pädagogik. In Afrika sind viele Forschungs- und Ausbildungszentren, sowie katholische Universitäten ins Leben gerufen worden. In diesem Bereich kann somit eine äußerst positive Entwicklung verzeichnet werden.
"Welche Bedeutung messen die europäischen Bischöfe der Synode von Afrika bei?
--Kardinal Erdő: Zuerst sehen wir, dass diese Synode auch an uns gerichtet ist. Sie hilft uns, die Rolle der westlichen Welt, im Leben der Menschheit zu verstehen. Sie verweist uns besser auf unsere Verantwortung und unsere Schwäche. Sie zeigt unsere Verantwortung gegenüber Politikern und Entscheidungsträgern im Bereich des wirtschaftlichen Lebens, dass wir auch in Bezug auf die natürlichen Güter, ausgehend von den Urwäldern bis zu den Rohstoffen, die aus Afrika gefördert und exportiert werden, verantwortungsvoll mit ihnen umgehen. Auch die Entwicklung der Landwirtschaft stellt eine große Herausforderung dar, denn Afrika hat viele Arme und Hungernde, die praktisch unterhalb des Existenzminimums leben. Eine größere Verantwortlichkeit und mehr Realismus sind daher notwendig. Ein ideologisches Verhalten reicht nicht aus, auch nicht von unserer Seite. Wir können ihnen unsere Hilfe sicherlich nicht aufzwängen, sondern müssen stets in Gemeinschaft mit der Kirche vor Ort handeln, ohne sie dabei zu verlieren oder Projekte zu entwickeln, die nichts mit dem Leben der Christen in dieser Kirche zu tun haben.
Was kann Europa von der Kirche in Afrika lernen?
--Kardinal Erdő: Viel. Zum einen kann sie von ihr eine große Elastizität und Energie lernen, eine Intensität des religiösen Lebens, auch manchmal in der Liturgie. Sie kann von ihr eine größere Fähigkeit lernen, in schwierigen Umständen zu arbeiten. Sie kann sich auch die Demut und Treue derer aneignen, die wegen ihrem christlichen Glauben verfolgt werden. Sie kann von ihr eine christliche Vision erlernen, die vom Glauben erleuchtet ist, denn in den Fällen eines ethnischen, nationalen oder Rassenkonflikts sind diese Zeugen des Evangeliums diejenigen, die den Mut haben, den tötenden Soldaten zu sagen: Ja, wir sind Christen, aber zuvor gehören wir zu einem Stamm. Und es gibt Christen, die sagen: das ist nicht gerecht. Wir müssen auch über unsere Gefühle in Europa reflektieren, wo oft bei vielen Christen die menschliche Zugehörigkeit an erster Stelle zu stehen scheint. Von dem her heißt es Ja zu sagen zur kulturellen Identität, aber Nein zur Götzenverehrung von Rasse und Nation, denn wir sind Brüder und Schwestern, Kinder desselben Gottes. Auch dieses Gefühl von Familie kommt sehr gut in der afrikanischen Theologie zum Ausdruck.
[Von Viktoria Somogyi, deutsche Übersetzung von Susanne Czupy]
















