ZG09110601 - 07.11.2009
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„Berufung ist keine technisch-bürokratisch zu lösende Frage“


Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann zieht Bilanz einer gemeinsamen 30-tägigen Gebetsinitiative von fünf Diözesen


Von Johannes Seibel

WÜRZBURG, 7. November 2009 (Die Tagespost.de/ZENIT.org).- In einem Interview mit der Deutschen Tagespost zieht der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann zieht Bilanz einer gemeinsamen 30-tägigen Gebetsinitiative von fünf Diözesen.

Exzellenz, dreißig Tage lang bis Allerheiligen haben die Diözesen Freiburg, Fulda, Regensburg, Rottenburg-Stuttgart und Speyer um Berufungen gebetet. Welche Priorität räumen Sie einer solchen Aktion ein?

--Bischof Karl-Heinz Wiesemann: Das ist eine Zukunftsfrage. Ich habe gespürt, wie sehr ein solches Thema aufgegriffen wird, auch kontrovers, auch öffentlich. Bei uns gab es die unterschiedlichsten Initiativen. Zum Beispiel eine sehr schöne Gebetsnacht im Dom, einen Abschluss am Grab des seligen Paul Josef Nardini in Pirmasens, zentrale Gottesdienste oder liturgische Nächte, die von Jugendlichen organisiert wurden. Und gleichzeitig habe ich erlebt, wie viele Menschen im Verborgenen, als Einzelne oder in kleinen Gebetsgemeinschaften schon lange um Berufungen beten. Diese Gebetskreise haben die Aktion unterstützt und es begrüßt, dass das Thema so öffentlich gemacht wurde.

Sie sprachen von öffentlichen und kontroversen Reaktionen. Welche denn?

--Bischof Karl-Heinz Wiesemann: Es gab natürlich die Stimmen in der Berichterstattung, die sagten, warum denn um Berufungen beten – wenn die Kirche die Zugangskriterien zum Priestertum ändern würde, Stichworte Zölibat und Frauenpriestertum, dann gäbe es schon genügend Priester. Hier sieht man, wie das Thema häufig verengt aufgefasst und auf institutionelle Machbarkeiten reduziert wird. Wohin auch immer der Hl. Geist die Kirche führen wird, sie wird immer um Berufungen beten müssen. Machen, organisieren kann sie keine.

Was folgt aus dieser Beobachtung?

--Bischof Karl-Heinz Wiesemann: Es war richtig, unsere Initiative nicht auf Priester- und Ordensberufungen allein zu konzentrieren, obwohl das ein wichtiger Themenschwerpunkt war. Es ging auch um die Berufung überhaupt, als Christ aus der Taufe und Firmung heraus zu leben, und um eine Stärkung der christlichen Eheleute zu einem Leben aus dem Sakrament der Ehe heraus. Das Entdecken und Antworten auf die eigene christliche Berufung führt in den Lebensnerv der Kirche selber. Nur in einer betenden Kirche wachsen Berufungen. Öffentlichkeit und Medien sollten merken, wie wichtig es ist, dass ein solcher Gebetsatem durch die Kirche hindurchgeht. Im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit sollte stehen, wo und wie der Mensch anfängt, für das Evangelium zu brennen und wie er ermutigt werden kann, seine Berufung in der Kirche zu entdecken. Auch die Kritik kann helfen, das entscheidende Anliegen klarer zu sehen. Die Ohnmacht der Kirche ist ihre Stärke. Sie kann die entscheidenden Fragen nicht technisch-bürokratisch lösen, sie unterliegen auch nicht ihrem Organisationstalent. Die Kirche lebt in der innigen Beziehung zum Herrn. Sie muss den Herrn der Ernte um Arbeiter für seinen Weinberg bitten.

Wie setzt die Diözese Speyer das Anliegen der Gebetsinitiative fort?

--Bischof Karl-Heinz Wiesemann: Diese 30-tägige Gebetskette war eine gemeinsame Initiative mit anderen Bistümern zusammen. Diese Initiative hat viele Beter auch für die Zukunft ermutigt und dem Thema „Berufung“ eine wichtige Aufmerksamkeit geschenkt. Unabhängig davon gibt es bei uns ja schon zahlreiche Kreise, die um Berufungen beten. Dazu braucht es in den Bistümern auch geistliche Orte, in denen Menschen Gemeinschaft finden und sich dem Ruf Gottes in der Tiefe ihrer Seele öffnen können. Orte also, wo die Spiritualität dieser Menschen gestärkt wird, wo sie ermutigt werden, der Berufung zu folgen. Für die Diözese Speyer soll in Zukunft der Wallfahrtsort Maria Rosenberg als geistliches Zentrum diesbezüglich eine wichtige Rolle spielen.

[© Die Tagespost vom 5.11.2009]


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